vom 06. - 07. Oktober 2006

Der Rückzug der preußisch- sächsischen Truppen  nach Triptis und Neustadt

Hartmut Liebe - Thüringer Kriegstagebuch 1806

Nach dem Gefecht bei Schleiz fluteten die geschlagenen preußisch- sächsischen Truppen am 9. Oktober 1806, verfolgt von der französischen Kavallerie, in Richtung Triptis zurück. Hier wollten sie die Nacht zu verbringen. Tauentzien, welcher bis Tegau zurückgegangen war, schickt zum Schutz der attackierten, aus Bila-Husaren bestehenden, Nachhut das am Ende der Kolonne marschierende sächsische Regiment Maximilian zur Hilfe. Das Regiment formierte sich an einem Gehölz, umgeben von Wassertümpeln. Vermutlich an der Tegauer Mühle. Schnell brachte man 2 Kanonen in Stellung und feuerte auf die angreifenden Franzosen, welche den preußischen Husaren mehr als auf den Pelz gerückt waren. Verdutzt machten diese Halt. Das schaffte den Husaren genügend Luft um sich hinter den Sachsen zu sammeln und gemeinsam den Rückzug anzutreten.

Zur Deckung seiner linken Flanke hatte Tauentzien bereits vor dem Gefecht bei Schleiz das 2. Bataillon v. Rechten unter Major Heintz mit 2 Kanonen nach Krispendorf entsandt. Er sollten die Saaleübergänge bei Burgk und Dörflas beobachten. Als sich Heitz dem Rückzug der Bila-Husaren anschließen wollte und über Neuendorf gerade Pörmitz erreichte, passieren die letzten Infanteristen Bilas und mit ihnen die Verfolger den Ort Rödersdorf. Der direkte Weg war somit versperrt. Dadurch waren Heintz und der aus Schleiz flüchtende  Hobe  gezwungen, sich durch den Pörmitzer Wald nach Neustadt zurückzuziehen. Auf diese Truppen lauerte ein Bataillon des mit Scharfschützen versehenen  französischen 27. Infanterieregimentes.  Um sich den Rückzug freizukämpfen setzte Heintz und Hobe alles ein über was sie verfügten. Nach preußischen und sächsischen Berichten hat aber auch auf Seite der Franzosen nicht nur Infanterie, sondern auch Artillerie und Kavallerie mitgefochten. Der Rückweg wurde erzwungen. Doch gingen beide Geschütze verloren. Die eine stürzte vom schmalen Damm in den Pörmitzer Teich, die andere blieb im Sumpf stecken.

 3 Kompanien des Bataillons v. Rechten zogen sich nach Neustadt zurück.  Die 4. Kompanie und die Husaren unter v. Hobe vereinigten sich in Triptis wieder mit der Hauptmasse des Korps Tauentzien. Eine kleine Husarenabteilung war nach Westen versprengt worden, und stieß in Oppurg zu den dort am 9. Oktober eingerückten Schimmelpfennig-Husaren.

 Der preußische Major Hobe kam 7 Jahre später, im April 1813, im Rang eines Oberstleutnants mit einem zu Aktionen hinter den feindlichen Linien bestimmten Korps wieder nach Schleiz. Das Korps bestand aus regulären Husaren, freiwilligen Jägern und Kosaken und hatte eine Stärke von 300 Mann. Es patrouillierte fast im ganzen oberen Saaletal und stieß bis Neustadt/Orla vor. Somit revanchierte sich der tüchtige preußische Offizier für die 1806 in dieser Gegend erhaltene Niederlage.

Doch hatte das Gefecht am Pörmitzer Wald auch sein Gutes. Die unaufhaltsam vorwärts stürmenden Franzosen hörten den Gefechtslärm in ihren Rücken, vermuteten, dass sie sich vielleicht doch zu weit vorgewagt hätten, hielten, und stellten die Verfolgung vorübergehend ein.  Tauentzien, welcher mit seinen dezimierten und ermüdeten Truppen hinter Krölpa eine in Eile errichteten Auffangstellung bezogen hatte, konnte endlich verschnaufen. Sonst wäre er zweifellos noch am gleichen Tag vernichtet worden. Nun konnten sich seine Truppen weiter nach Auma, und dann nach kurzer Rast in Triptis nach Mittelpöllnitz zurückziehen.

 Am 10. Oktober, gegen 2 Uhr morgens schreckte die in Triptis ruhenden der Ruf „Die Franzosen sind da“ aus ihrem Lager. Sie flohen in das Lager von Mittelpöllnitz, wo bereits am Abend des 9. Oktober: 6 Bataillone, 8 Eskadrons und 3 Geschütz-Batterien angekommen waren .  

Im Lager bei Mittelpöllnitz befanden sich am Mittag des 10. Oktober ohne die bei Schleiz geschlagenen Tauentzienschen Truppen bereits 10-11.000 Mann, und das Alter der sächsischen Generäle war, genau so wie das der Preußen, nicht selten über dem 70. Lebensjahr. Welche gefährliche Situation dadurch bereits im Lager bei Mittelpöllnitz entstand schildert der damalige Rittmeister von der Marwitz, 1806 Adjutant des Fürsten Hohenlohe-Ingelfingen: Bei Mittelpöllnitz sah es verwunderlich aus. Ohne angerufen zu werden, gelangte man mitten unter das sächsische Korps, dessen Anführer auf Erkundigung nach den getroffenen Sicherheitsmaßregeln erwiderte, er habe darüber Befehle des Fürsten erwartet und einstweilen Vorposten ausgestellt. Diese bestanden aus einer Kette von Infanterie-Schildwachen etwa 20 Schritt von der Linie, von denen obendrein viele zu ihren Bataillonen zurückgekehrt waren. An eine militärische Aufstellung des Korps war nicht zu denken, denn die ganze Masse befand sich dicht aufeinander gepackt, als wenn es sich um eine Spezialrevue handele. Freilich konnte es kaum anders sein. Die Stellung von Mittelpöllnitz dieses Paradepferd des Herrn von Massenbach – das er freilich niemals gesehen, sondern auf der Landkarte gefunden hatte – war eine der Verteidigung nicht ungünstige Front, aber nur von 500 Schritt Tiefe.  Dahinter befand sich ein dichter Wald, durch welchen nur zwei schmale und schlechte Wege führten. Würden die Truppen bis an denselben zurückgedrängt, so konnte die vollständige Niederlage nicht ausbleiben. Ein einziges Kavallerieregiment wäre ausreichend gewesen, das Ganze auseinander zu sprengen. Der General von Zetzschwitz befand sich körperlich und geistig in einer Verfassung, die ihn für den Augenblick unzurechnungsfähig machte. Als ich nach Mitternacht aufbrach, um nach Jena zurückzukehren und seine etwaigen Befehle erbat, kannte er mich, der seit zwölf Stunden kaum von seiner Seite gekommen, nicht mehr und äußerte zuletzt: „Sagen Sie dem Fürsten, dass ich in solch erschreckender Verlegenheit bin, dass ich weder aus noch ein weiß.“ Unter solchen Umständen muss es als ein ganz besonderes Glück betrachtet werden, dass die Anwesenheit der Sachsen der Aufmerksamkeit der französischen Reiterführer entging. Eine Katastrofe wäre sonst bereits an diesem Tage unausbleiblich gewesen.